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Sieben Schwestern, Geiranger und Dalsnibba Drucken E-Mail
Freitag, 31. Dezember 2010 um 17:13
Wieder einmal ist uns die Überschrift ein paar Kilometer voraus, eigentlich waren wir ja erst vor kurzem in Bodo angekommen. Die Tage wurden merklich länger, der Kompass zeigte unbeirrbar Richtung Süden.
Unweit von Bodo zieht sich eine Gletschermoräne bis fast auf Meeresniveau das Tal hinunter. Schade, dass wir so weit weg waren, die hätte ich mir gerne aus der Nähe angesehen. Den Gedanken, hinüberzupaddeln verwarfen wir Aufgrund der recht niedrigen Temperaturen wieder. Auf dem Weg ins Landesinnere, um ein paar Kilometer zu spulen, zwangen uns noch wenige Fähren aufs Wasser, bis dann endgültig die E6 wieder unter den Rädern war. Das gehopse mit den Fähren war zwar schön, aber alles andere als effizient.



Die küstenabgewandte Seite Norwegens erinnert stark an Mitteleuropa, die Häuser sind zwar ausschließlich aus Holz, statt eines Hirsches findet sich ein Elch auf dem Warnschild und die Mittellinien der Straßenmarkierung sind gelb. Das war’s dann aber auch schon und so hält uns dort nicht viel während der anstrengenden Fahrt in den "Süden", die zähfließenden Verkehr und viele Baustellen mit sich bringt.



Die sanften Hügel wurden schön langsam wieder zu ausgewachsenen Bergen, als wir wieder einmal - nach 300km Festland - eine Fähre (äußerst Luxuriös - mit Lederbänken bestückt) erreichten. Ein Blick nach vorne ließ nur einen Schluss zu: Es geht aufwärts. Leider nicht im positiven Sinne, Höhe ging bei unserem Reisegefährt immer mit Langsamkeit einher.
Majestätisch erhoben sich die Berge in der Ferne und bald schlängelten wir uns mit einigen anderen Touristen durch ein enges Tal, wo links und rechts die Wasserfälle herunterstürzten. Die Straße wurde steiler, die Serpentinen enger, doch der LT arbeitete sich im zweiten Gang brav nach oben, ohne nennenswert warm zu werden. In einer Aussichtskurve war der Wasserfall so nahe, dass man meinte, ihn berühren zu können. Mit lautem Getöse schossen die Wassermassen ein paar hundert Meter in die Tiefe. Nach dem alle, die es eilig hatten, vorbeigefahren waren, trauten auch wir uns wieder auf die Straße und zuckelten weiter langsam, dafür stetig nach oben.



Oben angekommen erschlagen einen als erstes einmal die Touristenmassen, wobei - ich darf nicht schimpfen - letztendlich waren wir auch welche und wie viele andere trampelten wir nach vorne zur Aussichtsplattform um von oben den Blick über das Tal zu genießen. Das Plateau ist übersäht von den altbekannten Steintürmen, und weil nahezu jeder freie Stein für solche verwendet wurde, muss schon einmal der Gipfel des "Nachbarsteinmännchen" herhalten, um der norwegischen Tradition gerecht zu werden und dafür ein anderes in die Höhe wachsen zu lassen.

Wieder on tour ging‘s - oh Wunder - bergab. Die vorher mühsam erklommenen Berge rollten wir wieder hinunter, unter vorsichtiger Dosierung der Bremse. Zahlreiche Wasserfälle gibt‘s nebenbei zu bewundern, unter anderem auch einen, der wie ein Vorhang frei in die Tiefe stürzt. Eine deutsche Urlauberin sah die bedrohliche Visage unseres alten VW LT im Rückspiegel rasch näherkommen und wich vorsichtshalber aus, um uns flottes Vorankommen zu ermöglichen. Unsere Bremsen dankten es - die Motorbremswirkung setzt bei diesem Tempo zwar erst bei halsbrecherischer Geschwindigkeit, dafür aber Betriebsbremsenschonend ein ;-).



Bis zum Geiranger-Fjord, unserem eigentlichen Ziel waren es ca. 60km, vorwiegend abwärts, durch wenige Orte, um dann eine Bergkette hinter dem weltbekannten Fjord das Fahrzeug die Adlerstraße wieder hochzuscheuchen. Leider ließ die fortgeschrittene Stunde wegen dem Gegenlicht keine guten Fotos zu, doch der Ausblick ist atemberaubend.
In einer Aussichtskehre prasselt im Hintergrund das Wasser in die Tiefe, Tropfen glitzern, der nasse Fels reflektiert die Abendsonne. Im Wasser bricht sich das Licht, ein Regenbogen überstrahlt den kleinen Wasserfall. Einmal umgedreht erschließt sich einem die volle Schönheit des Geiranger-Fjordes - nicht umsonst zählt er zum UNESCO Weltkulturerbe. Linkerhand der kleine 300 Einwohner Ort Geiranger am Hang, ein kleiner Campingplatz und dann der enge, beeindruckende, bis zu 278m tiefe Fjord. ein kleines Motorboot tümpelt durchs Gewässer, doch kein Laut dringt in diese Höhe hinauf. Am Ende der Biegung rauschen die "sieben Schwestern" - die beeindruckendsten Wasserfälle im Fjord - talwärts.



Ärgerlich, höchst ärgerlich, da hat man endlich mal wieder eine DIN-A4 Seite Reisebericht geschrieben, dann stürzt dieses Programm ab, von wegen "Access violation at Adress XYZ"... also noch einmal...

Auch wir rollten talwärts, doch dieses Mal protestierte der LT lautstark in Form von Fehlzündungen, die wie ein Donnerknall durch die Gegend hallten. Aber wir konnten ja nicht gut Vollgas bergab fahren, nur damit die Mühle genug Sprit bekommt? Das weitaus üblere Problem war der penetrante Geruch nach verbranntem Bremsenstaub - ein Stopp war von Nöten. So viele Höhenmeter mit starkem Gefälle in einem 2,8 Tonner ist dann doch etwas zu viel. Das Hilfsangebot eines Norwegers lehnte ich, im Bewusstsein unseres "vergänglichen" Problems, dankend ab. So gönnten wir unserem Lastenesel auch nur wenige Minuten, ehe wir die wenigen verbleibenden Meter hinunter rollten. Am Campingplatz wollten sie nur €20 pro Nacht und Person - für Norwegische Verhältnisse recht günstig. Kurz spielte ich mit dem Gedanken dort zu nächtigen, den wir dann aber wieder verwarfen - hier waren eindeutig zu viele Menschen auf zu wenigen Quadratmetern.



Der Geirangerfjord ist zweifelsohne eine schöne, wenn nicht eine der schönsten und beeindruckendsten Gegenden in Norwegen. Dennoch ist es ein visueller Genuss, denn zum Baden war es zu kalt und zum Wandern die Felswände zu steil. Deshalb tuckerten Thomas und ich, nachdem wir uns sattgesehen hatten, auf der anderen Seite den Berg wieder hoch, Richtung Dalsnibba-Pass, der auf einem ca. 1000m hohem Plateau liegt. Wiederum entsteht der Eindruck, mindestens auf 2000m zu verweilen, so sehr ähnelt die Gegend hochalpiner Landschaft.
Linkerhand räkelt sich der Dalsnibba in die Höhe, ca. 7km vom Fjord entfernt. Vom Pass aus ist er über eine Schotterstraße gut erschlossen, selbst Busse fahren den Berg hoch, eigentlich schade - und Schande über uns - doch zu dieser späten Stunde fuhren auch wir hoch, vorbei an einem unbesetztem Mauthäuschen. Bis zum Gipfel führt die Straße auf einen asphaltierten Platz. Anfänglich waren noch ein paar verirrte Touristen unterwegs, die bald die Reise ins Tal antraten und nur der harte Kern blieb über - immerhin war es ziemlich kalt, ohne Handschuhe und Mütze war die Gesundheit verloren...

Keine Ahnung, ob es nun Thomas oder Ich war, der auf die wahnwitzige Idee, zu grillen, gekommen ist. Jedenfalls packten wir bei ca. 5°C Außentemperatur unseren €7,50 Interspar-Griller aus und versuchten verzweifelt bei dem Wind ein Feuer zu entfachen. Im Windschatten des Busses wollte es dann endlich klappen und nach einigen Wanderungen mit dem heißen Grill in den erhobenen Händen vom Körper weggestreckt quer über den Gipfel fand sich nahe einer Hütte endlich ein geschütztes Plätzchen, wo fortan unser 1kg T-Bone Steak vor sich hinbruzzelte - und zwischendrin süße Ofenkartoffeln.
Währenddessen bereiteten unsere erst kennengelernten Nachbarn ihr Quartier im Freien vor - in nur 18 Tagen wollten die eine Tour schaffen, für welche wir fast zwei Wochen mehr Zeit hatten - und wir wollen viel gefahren sein an einem Tag? Lächerlich gegen das, was die schaffen mussten. Und weil es im Auto viel zu bequem wäre schliefen sie im Freien ;-).
Gut, zwei Mal den Kopf darüber geschüttelt, das wars dann aber auch schon, denn der herrliche Duft des saftigen Brocken Fleisches stieg uns in die Nase. Mit der leckeren Barbecue-Sauce, Kartoffeln und Frischkäse war es eines der besten Speisen seit langem - nur die Schwarte wollte am Grill nicht so recht knusprig werden.

Die Grillkohle fieberte draußen in der Kälte ihrem Glühende entgegen, während wir unser Schlafgemach richteten. Mit dem Gedanken an die armen (aber selbst daran schuldigen) Deutschen auf dem kalten Boden schlief es sich unter der warmen Decke wunderbar ein ;-)

Der nächste Morgen war schon bedeutend wärmer. Keiner der vielen Touristen, welche um diese Zeit in Scharen den Dalsnibba erstürmten, konnte unseren Schlaf stören, so erwachten wir erst recht spät. Beim ersten Rundgang übers Plateau sind vermutlich viel verwunderte Blicke an mir hängengeblieben, als ich gähnend mit zerzaustem Haar und halbgeschlossenen Augen unbeholfen durch die Gegend stiefelte.
Dabei entdeckte ich einen Leidesgenossen - ein anderer LT-Fahrer, dessen Gefährt aber gut 1/3 größer, 2t schwerer und 10 Jahre neuer war. Vermutlich eines der bestausgestatteten Wohnmobile damals, wenn auch ganz schön schwer (LT55) und teuer. Der anfängliche Neid verflog bald wieder, wenn ich so daran dachte, was alles kaputtgehen konnte.
Die Sonne scheint am Vormittag direkt in den Geirangerfjord und beleuchtete dieses Mal das UNESCO Weltkulturerbe von der anderen Seite - das ehrlichgesagt wie eine Kopie des Achensees aussah.
Touristen ade - runter vom Dalsnibba und weiter Richtung - diesmal - Südost. Während dem Hinunterrollen quälten sich andere hinauf und wir witzelten, wie wohl die Mautstelle umgangen werden konnte - von hupend durchfahren bis hin zum (vorgespielten) Bremsversagen viel uns jeder Blödsinn ein. Glücklicherweise musste keine der Ideen weiter ausgefeilt werden (was in diesem Zustand fatale Folgen haben könnte *g*), denn das Mauthäuschen war unbesetzt. Stattdessen breitete sich türkisblau, im Sonnenlicht glitzernd ein See vor uns aus, den wir gleich dazu nutzten, um unsere Wasserreserven aufzufüllen. Weiter nach Oslo...



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