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Die Lofoten, eigentlich der Lofot - oder Luchsfuß? Drucken E-Mail
Mittwoch, 29. Dezember 2010 um 12:23

Die Lofoten, eigentlich der Lofot - und überhaupt: Luchsfuß!

Wikipedia lässt grüßen, eigentlich heißt es Lofot, nicht Lofoten, es ist ja der Luchsfuß, nicht die Luchsfüße.
Sei es wie es sei, ca. 80 Inseln gehören zum Lofot, bis zu 100km vom norwegischen Festland entfernt. Einerseits das ruhige norwegische Meer, anderseits der stürmische Atlantik. Meereshöhe und doch gut 1200m hohe Berge. 
Nur - ich träume schon wieder, eigentlich sind wir ja noch nicht soweit, sondern ca. 150km nordöstlich, kurz nach Tromsø, wo die Fähre nun endlich gefahren ist. Morgenstund‘ hat Gold im Mund, endlich mal ein Tag, wo wir vorankommen - oder auch nicht, das Insel-hopping hat nämlich begonnen.
Mal übertags via Fähre, mal untertags durch den Tunnel sind die Inseln verbunden. Oft liegen zwischen den Fähren nur ein paar wenige Kilometer, was für uns bedeutete, mehr Zeit auf der Fähre als im Fahrzeug zu verbringen - hat ja auch was.
Wenn da nicht nur ... das DAIM Eis wäre. Auf jeder verfl*ch*en Fähre hatten sie es im Sortiment, für 23NOK (ca. €3) konnte es erstanden und verspeist werden. Geschätzte zehn Mal fiel ich dem zum Opfer ;-)

Zwischenzeitlich machte der Kühlschrank vermehrt auf sich aufmerksam. Nein, er konnte nicht einfach funktionieren, immer öfter schaltete die Piezozündung, er kühlte nur noch auf der höchsten Stufe, Druckabfall in der Gasflasche - Diagnose: Gasflasche leer.
War ja nach über zwei Wochen Dauerbetrieb erwartbar, trotzdem hatte ich gehofft ein wenig weiter zu kommen. Theoretisch hätten die 10kg Gas ja bei 14g/h Konsum ca. 32 Tage reichen sollen.
Nach (ja genau) einer weiteren Fährüberfahrt erreichten wir wiedermal einen größeren Ort, Harstad. Die perfekte Gelegenheit, unsere Gasvorräte aufzufüllen, dachten wir zumindest, doch die Ernüchterung folgte sogleich:
Von den drei Tankstellen, welche wir anfuhren wollte keine unsere Gasflasche tauschen. Die Uhr zeigte 15:50, als uns die Tankwartin erklärt, dass eventuell eine Firma unten bei der Fähranlegestelle unsere Gasflasche füllen könne, dazu sei es aber heute schon zu spät - Ladenschluss 16:00.
Wir probierten es trotzdem, doch die Dame schien rechtzuhaben. Die Türe war verschlossen, die letzte Angestellte parkte gerade aus, um sich auf den Weg nachhause zu machen.
Da standen wir nun, hilflos, von der Gesellschaft verlassen und ohne Gas - nein, ganz so schlimm war es nicht, trotzdem freuten wir uns riesig, als die gerade fahrende Angestellte fragte, ob sie uns helfen könne - natürlich in perfektem Englisch. Ich schilderte ihr unser Anliegen, daraufhin tätigte sie ein paar Anrufe und bat uns ins Betriebsgebäude.
Fast schon peinlich berührt waren wir, als sie uns eröffnete, dass der Gastechniker gerade umkehrte, um unsere Flasche zu füllen und wir nur noch bezahlen mussten - zudem einen Preis, der weit unter dem mitteleuropäischen Preisniveau lag. Sprachlos - diese Freundlichkeit hatte ich nicht erwartet. Wenige Minuten später waren wir wieder auf Achse, mit 10kg Gas mehr (es waren - nur so nebenbei - noch 4kg drin, trotzdem presste der Techniker die 10kg rein, unsere Gasflasche war sozusagen jetzt "übervoll").

Leider löste sich unser Kühlschrankproblem nicht, aber immerhin auf der höchsten Stufe brachte das Gerät noch sehr gute Kühlleistung, was sich im Reiseverlauf noch ändern sollte...

Von Harstad ging die Reise durch schlechtes Wetter, aber entlang türkisblauem Wasser weiter auf den Lofot hinaus. Langsam aber sicher war es an der Zeit mal endlich ein paar Klamotten zu waschen, sofern wir sie nicht alle noch ein X-tes Mal tragen wollten. Die Suche nach einem Waschsaloon gestaltete sich anfangs etwas schwierig, bei den ersten beiden Tankstellen konnte man uns nicht weiterhelfen. Zumindest eine Karte der Umgebung incl. eingezeichnetem Touristen Info-Point gestand man uns zu, und wenn es die nicht wissen, wer denn dann? Die paar Kilometer zurück ins Zentrum waren schnell überwunden und auch um Parkplätze brauchte man sich nicht zu sorgen.

Im Infopoint wusste die freundliche Dame tatsächlich etwas von einem Waschsaloon, idealerweise war dieser nur wenige Gehminuten entfernt. Für 60NOK (€5) bekommt man eine Chipkarte mit drei Zutrittsberechtigungen - eine für das Befüllen der Waschmaschine, zum Umfüllen in den Trockners und letztendlich ein Zugang um die Wäsche wieder zu entnehmen. Klingt gar nicht so kompliziert und verkehrt.
Als wir kurz darauf mit Sack und Pack vor dem kleinem Gebäude Stellung bezogen und den ersten Eintritt verbraucht hatten, stellte sich heraus, dass die Waschmaschine bereits gefüllt war - na toll. Das hat in dem System wieder mal keiner beachtet, von draußen war es natürlich nicht zu sehen, dass die Maschine lief. Ein Blick auf die noch verbleibende Laufzeit lies jegliche Hoffnung, heute noch aus dem Ort wegzukommen, schwinden und wir stellten uns auf einen laaangen Abend im Waschhäuschen ein.
Thomas machte es ich auf der Waschmaschine gemütlich - die wegen der Wärme zum Einschlafen einlud - und begann zu lesen, ich nutzte die Chance um unsere Kanister mit heißem Wasser zu füllen, welches dann in die Warmwasserbehälter umgepumpt wurde. Kaum zu glauben, dafür ist man ganz schön eine Zeit auf dem Weg. Mit jedem Kanister mehr, den ich quer über den Hauptplatz schleppte, haben mich die Menschen in den Cafes und Restaurants argwöhnischer angeschaut - ich konnte es ihnen nicht verdenken ;-).
Nach einer kleinen Ewigkeit war die Maschine endlich fertig, die "Wäscher", ein deutsches Liebespaar wechselte in den Trockner und endlich begann sich auch unsere Trommel für zwei unermüdliche Stunden zu drehen.
Buch lesen wurde langweilig, neue Ideen mussten her. Während die Maschine vor sich hin wusch, begannen wir, unsere Haare zu waschen, Warmwasser sei Dank. Als Thomas - der sich sehr zierte, weil zu dieser späten Stunde die Reinigungskraft am saubermachen war - damit fertig war, lief der Trockner mit unserer Wäsche gerade mal ein paar Minuten.
So nahm diese Aktion gut sechs Stunden in Anspruch, um Mitternacht war endlich alles gewaschen, verstaut und sogar das Wohnmobil aufgeräumt. Mit Waschbrett und Handwäsche wären wir vermutlich um einiges schneller gewesen. Immerhin hatten wir die Gelegenheit (natürlich nur abwechselnd, einer musste ja auf die Waschmaschine aufpassen) den netten Ort zu erkunden. Nette (teuere) Lokale, viele Boote, Fähren und eine tolle Abend/Nachtstimmung - auch hier, schon einige Kilometer im Süden wurde es in der Nacht nur dämmrig, aber nicht dunkel.

Der nächste Tag brachte milde Temperaturen, viel Sonnenschein - schlicht traumhaftes Wetter. Daran lag es vermutlich auch, dass an diesem Tag ca. 300 Fotos entstanden sind, wovon nur noch 140 - immer noch zu viele - übrig sind. Viel zu erzählen gibt es eigentlich nicht, der Tag gestaltete sich als Mix aus fahren, schauen, pausieren und herumwandern - vorwiegend ein Augenschmaus.

Die Karibik des Nordens wartete von Fjord zu Fjord, von Bucht zu Bucht mit immer klarerem (damit verbunden auch kälterem ;-)) Wasser und schöneren Stränden auf. Glaubt man, das Highlight gerade gesehen zu haben, so taucht hinter der nächsten Biegung das nächste auf, welches alles bisher Gesehene wieder in den Schatten stellt.
Auf dem Lofot zeigen sich abwechselnd das norwegische Meer und der Atlantik, je nachdem ob grad die nordwestliche oder südöstliche Seite befahren wird. Wiedermal am Atlantik erreichten wir eine Bucht, die - wie sollte es anders sei - mit Sandstrand und klarem Wasser aufwartete. Trotzdem war sie etwas Besonderes, das sich spätestens dann dem Betrachter erschloss, wenn er ins Wasser ging. 12°C hatte der Atlantik, auch "nur" mit den Füßen war die Temperatur nicht gerade einladend. Als ich dann beim Durchwaten des Zuflusses das Gefühl hatte, dass sich an meinen Füßen Eiskristalle bilden würden, musste das schon so oft zweckentfremdete Fleischthermometer her. Ganze 8°C haben wir gemessen!
Auch lustig: Die Brandung war so stark (und der Sand so lose), dass mit wenig zutun die Füße im Sand eingegraben waren - Körper auf Stelzen, ein Foto war es allemal wert.

Die Norweger sind freundlich zu ihren Besuchern und bemühen sich, diese nicht zu vergraulen. Das beginnt bei den stets sauber geputzten Toiletten und endet bei den Hinweisschildern:
"Dies ist ein Rastplatz und kein Campingplatz. Nach einem kurzen Aufenthalt wünschen wir Ihnen gute Fahrt weiter, und fahren Sie bitte forsichtig"
...lautete der Wortlaut eines ebensolchen Schildes. Nein nein, ich weiß schon, wie "vorsichtig" geschrieben wird - die Norweger halt nicht. Vermutlich war Google Translator am Werk. Aber darum geht es ja gar nicht, der Text an sich ist ja genial - durch die Blume wird man freundlich darauf hingewiesen, dass dieses schöne Örtchen kein Campingplatz ist. In Österreich würde auf so einer Tafel wohl folgendes stehen:
"Campieren verboten. Zuwiderhandlung wird nach Strafgesetzbuch geahndet."

Die Fahrt geht weiter durch spektakuläre Landschaft, die wie eine geflutete Gegend in den Alpen anmutet, von einer nicht zu übertreffenden Klarheit gezeichnet. Eigentlich ist er viel zu kurz, der Lofot, und nach den 180 Kilometern wünschten wir uns, noch weiter hinausfahren zu können, zu schön war das Wetter um schon wieder nach Bodo ans norwegische Festland überzusetzen.

Die bisher größte Fähre auf unserer Reise bestritt die Fahrt Moskenes - Bodo, knapp 5 Stunden benötigte das Schiff für die 100km Distanz. Im Bauch des Schiffes finden gut 100 PKWs Platz, ansonsten ist es ähnlich aufgebaut wie alle bisherigen Schiffe auch - nur etwas größer. Während der Überfahrt ließ sich ein malerischer Sonnenuntergang miterleben, bei dem die Sonne nicht hinter den Dunststreifen am Horizont verschwand, sondern buchstäblich im Meer versank. Das gleißende Licht schien ins Meer zu fließen.
In Bodo angekommen galt es erst mal die Wasservorräte wieder aufzufüllen, was dank eines sehr hilfsbereiten, jungen Tankwartes eine Sache von fünf Minuten war. Nachdem er keine ein oder 1,5 Liter Flaschen im Angebot hatte, füllte er meine mitgebrachte fünfliter-Flasche kurzerhand voll.
Das Tankstellenpersonal ist in Norwegen generell überdurchschnittlich jung. Vermutlich ist es ein begehrter Ferialjob...

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