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St. Petersburg - Teil 2 Drucken E-Mail
Samstag, 20. November 2010 um 19:05

Nevskiy Prospekt, Petergof, Hermitage, Gostiny Dvor ...

eigentlich hatten wir uns viel vorgenommen für den zweiten Tag in St. Petersburg - schließlich gab es ja noch genug Sehenswürdigkeiten welche wir noch nicht gesehen haben. Auf der To-Do Liste standen z.B..

* Nevskiy Prospekt(Hauptstraße)
* Gostiny Dvor (Einkaufszentrum)
* Hermitage (Winterpalast)
* Petergof (Schloss, ca. 40 km von St. Petersburg entfernt)
* "Savior on the blood" Tempel
* usw...

Diesmal hielten wir ein Sammeltaxi an, welches wesentlich vertrauenserweckender aussah als der gestrige Bus und uns für 60RBL (€1,60) pro Person recht flott zur U-Bahn brachte. Der als Frühstück gedachte Blini (typisch russisches FastFood bestehend aus "was man auch immer haben will" umwickelt mit einem Omelett), in meinem Fall aus Lachs und einer Sauce entpuppte sich als Hauptmahlzeit.

"The Hermitage is closed today", eröffnete uns später eine stets lächelnde Dame an einem Tourist-Info-Point. Na herrlich, DIE Attraktion schlechthin, wo man mit dem internationalen Studentenausweis freien Eintritt hätte, ist geschlossen. 

Nachdem wir gefühlte 87,3 km durch das große Einkaufszentrum "Gostiny Dvor" gelaufen sind (natürlich ohne etwas zu kaufen, da das Preisniveau nicht wirklich einladed war) zog es uns an den Kanal der "Neva" wo ein ca. 150 Personen fassendes Schnellboot wartete.
Diese Dreckschleudern (so schnell sie auch fahren mögen, es ist einfach abartig, welch eine dicke, schwarze Rußwolke sie hinter sich lassen) bringen Touristen in ca. 45 min. von St. Petersburg nach Petergof, auf dem Landweg würde die Fahrt mehr als doppelt so lange dauern. Hin- und Rückfahrt kosten 700RBL (€18) für Studenten, 800RBL (€21) regulär. Im Boot geht es recht komfortabel zu und das Interieur erinnert an ein Flugzeug. Zweifelsohne eine der schnellsten und bequemsten Möglichkeiten, über das Wasser zu reisen - wenn auch die dreckigste.

Petergof ist der Touristenmagnet schlechthin. Obwohl der Palast geschlossen war ging es zu wie am Pariser Trödelmarkt. Zugegebenermaßen sind die ganzen kunstvollen Wasserspiele wirklich schön anzusehen - ebenso wie die goldenen Kuppeln auf den Dächern oder die makellose Fassade des Schlosses.
Da die letzte Fähre den prunkvollen Ort (für dessen Besichtigung übrigens ca. 150RBL (€4) zu berappen sind) um 17:15 Uhr verlässt, mussten wir uns nach einem kurzen Bummel durch den Park wieder auf den Weg zur Anlegestelle machen. Denkbar ungünstig, auf die letzte Fähre zu warten, mit der dann natürlich _alle_ fahren wollten. Wer es sich einrichten kann sollte Petergof etwas früher verlassen, es sei denn Menschenmassen, Wartezeit und fremder Schweiß sind die tollste Sache, die es gibt.

Die östlichste Insel, welche von den Kanälen "Bolshaya Neva" und "Malaya Neva" eingeschlossen wird, hat direkte Anbindung ans Meer. Bis zirka zwei Kilometer vor den Stand kann man mit der U-Bahn fahren. Die Gegend dort bietet allerdings kaum sehenswertes. Die großen Häuser wirken monoton, verlassen und sind teilweise schmuddelig. Das in den Straßen herumstehende Gerümpel wie z.B. alte, verrostete Autos oder Mobiliar verstärken diesen Eindruck. Erst kurz vor dem Strand werden die Bauten wesentlich moderner und die Gegend im Allgemeinen etwas schöner. Trotzdem wirken die Schotterstraßen zwischen den hochmodernen Gebäuden skuril, die Plätze leblos.
Der Strand offenbart - ganz im Gegensatz zur Innenstadt - leider keine schöne Seite von St. Petersburg. Das Meerwasser ist eher dreckig, aber scheinbar zum Schwimmen geeignet - zumindest finden sich auf dem riesen Areal ein paar wenige, die sich im Wasser vergnügen. Ansonsten ist der Stand mit Müll übersäht, Glassplitter hier, Plastiksäcke dort, es sieht aus wie auf einer Deponie. Lediglich ein künstlich aufgeschütteter Badestrand vor der eigentlichen Küste wirkt einladend, ist aber durch hohe Betonwände für die Allgemeinheit abgesperrt.

Wieder gut in St. Petersburg angekommen bereitete uns der Wassermangel und die damit verbundene Supermarktsuche große Sorgen. Es kann doch nicht sein, dass man in einer Millionenstadt im Zentrum drei Kilometer laufen muss, nur um an eine Flasche Wasser zu kommen? Auf der "Durststrecke" lag der imposante Tempel "Savior on the Blood", welcher - wenngleich er auch kleiner ist - irgendwie an den Moskauer Kremel erinnert. Viele Mosaiks zieren die Fasade und goldene Zwiebeldächer schmücken die Türme. Neben der Kirche findet sich auch kleiner aber gemütlicher Markt mit allerlei Souveniers. Dort ergatterten wir endlich - ebenfalls nach langem Suchen endlich ein paar Postkarten. Diese gibt es in St. Petersburg scheinbar nicht einzeln sondern nur gesammelt zu kaufen. Doch bei 100RBL (€2,5) für 16 Postkarten braucht man sich nicht zu beklagen.
Nachdem endlich ein Supermarkt direkt am Nevskiy Prospekt gefunden war (in dem es Wasser zu völlig überteuerten Preisen zu kaufen gab) machte sich Hunger in unseren Mägen bereit und wir entschieden uns für ein unscheinbares, ruhiges und gemütliches gegorianisches Restaurant im Keller eines Gebäudes einer Seitenstraße des Nevskiy Prospekts.
Vermutlich die Besitzerin lud uns in die Gaststube mit dezenter Hintergrundmusik ein. Eine in Englisch gehaltene Karte erleichtert die Wahl des Essens, zudem fragte der den englischem mächtigen Kellner vorsichtig und unaufdringlich, ob er behilflich sein könne. Auf seine Empfehlung hin bestellten wir die georgianische Pizza und je ein Kepap (darunter ist nicht das in mitteleurpa türkische Kepap zu verstehen sondern ein Fleischgericht)
Die Pizza schmeckte gut, war deftig (was vermutlich am Käse lag) - hätte aber etwas stärker gewürzt sein können. Der Hauptgang mundete vorzüglich, nichts war zu hart oder zu weich, das Fleisch ordentlich gebraten und die Beilagen vielfältig. Mit gut €40 schlug sich das Essen für uns beide zu Buche. Dafür waren die Portionen ordentlich und der Service ausgezeichnet. Dass via Kreditkarte nicht bezahlt werden konnte, weil der Leser defekt war, stört bei dem guten Gesamteindruck kaum.

Den Hunger gestillt empfing uns das heiße St. Petersburg wieder. Um kurz nach Elf ist es immer noch hell - die paar zurückgelegen Längengrade machen sich durch zwei Stunden Zeitverschiebung und längere Tage bemerkbar.
In mehreren Touristenführern und auf Homepages war von dem besonderen Flair von der Stadt in der Nacht zu lesen - dieses wollten auch Thomas und ich sich nicht entgehen lassen, weshalb wir eine 1,5 Stunden dauernde Bootsfahrt durch die Kanäle für ca. 600RBL (€16) pro Person buchen.

Nur blöd, dass um 01:30 Uhr alle Brücken in den Norden geöffnet werden, in die Richtung also, wo unser Campingplatz liegt. Wir finden einen Taxifahrer, der für 100RBL bereit ist, uns nach Olgina zu bringen - moment Mal, für 100RBL? Was für ein Schnäppchen. Das Angebot mir sichernd wollend drücke ich ihm gleich 50 RBL in die Hand - damit er uns auch ja um 02:00 Uhr abholt. Eine zufällig vorbeikommende Studentin aus Moskau, welche auch gut Englisch spricht, bietet uns ihre Hilfe an und dolmetscht. Schnell stellt sich heraus dass der Taxler 1000RBL für die Strecke will - was aber für eine Fahrt vom Zentrum bis nach Olgina immmer noch akzeptabel ist.

Frohen Mutes besteigen wir das Boot, welches uns durch die Gassen von St. Petersburg shippern soll. Das Rauschen des Wassers und die lauschige Hintergrundmusik (welche eigentlich live spendiert werden sollte, aber mein Gott na, wir wollen ja keine Ansprüche stellen) laden eher zum Schlafen, als zum Schauen ein. Aber es gibt viel Interessantes zu sehen, die Gebäude wirken in der Nacht noch imposanter und beeindruckender als untertags. Teilweise sind die Kanäle so schmal und manche Kurven so eng, so dass das Boot mehrmals wenden muss um in die korrekte Richtung weiterfahren zu können.
Der Höhepunkt ist zweifelsohne die Brückenöffnung in den Morgenstunden. Im großen Kanal "Bolshaya Neva" finden sich gegen 01:15 die ersten Boote ein, private, geführte Touren und kleine Nussschalen - alle sind vertreten, unseres ist eines der Ersten. Ruhig liegt es am Wasser, der Diesel tuckert vor sich hin, alle blicken gespannt in die Umgebung, hinüber zur prunkvollen Hermitage, oder zur Peter und Paul Festung auf der anderen Seite - und zwischen drin, immer ein flüchtiger Blick auf die Brücken, ob sich noch geschlossen sind.
Langsam werden es immer mehr, leise schleichen sie sich heran, an die erste Brücke, duzende grüne und rote Positionslichter sind auf dem Wasser zu sehen. Alle wollen die Ersten sein, immer wieder heulen die Motoren auf, um sich die Führung und damit den besten Blick auf die Brücke zu sichern.
Dann, zuerst kaum merkbar,  öffnet sich die erste Brücke. Stetig und symmetrisch gleiten die imposanten Teile in die Höhe, wirklich beeindruckend.
Zeitgleich beginnt am Wasser geschäftiges Treiben. Ein Blitzlichtgewitter wie in einem Stadion geht auf die Stadt nieder (wenn die ganzen Touristen nur wüssten, dass der Blitz niemals eine 100m entfernte Brücke beleuchten kann), unzählige Motoren heulen auf und die Boote schießen nach vorne zur nächsten Brücke, um Ihren Gästen das Spektakel noch einmal aus nächster Nähe bieten zu können.

Als die Brücken geöffnet waren, beruhigte sich die See wieder und die Bootstour endete am Ausgangspunkt. 02:00 AM - wo ist unser Taxi? Von dem mit lächerlichen 50RBL "bestochenen" Taxifahrer fehlt jede Spur, also suchen wir nach einem anderen. Doch unter 2000 RBL will keiner nach Olgina fahren. Neben einem weiteren Taxler, mit dem ich gerade über den Preis redete (oder gestikulierte?), stoppte ein alter, schwarzer Volvo. Nachdem er uns zu verstehen gab, dass er weiß wo Olgina ist und bestärkt durch die Erkenntnisse der gestrigen Fahrt verhandelten wir über den Preis diesmal vor Fahrtantritt. 700RBL (€18) sollte die Fahrt kosten, das schien uns in Anbetracht des Umweges wegen der geöffneten Brücken für die ca. 20km lange Fahrt angemessen.

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