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Lithuania, wir kommen ... Drucken E-Mail
Montag, 01. November 2010 um 20:57
Nicht ganz so früh wie geplant verließen wir den Campingplatz in Krakau. Früh deshalb, weil immerhin gut 800 Kilometer auf dem Programm standen. Die Distanz sollte in ca. 13 Stunden mit Pausen schaffbar sein - wieder einmal ein Tag, der nur fürs Fahren "draufgeht".

Auch mein Freund in Kaisiadorys erklärte mir, dass es wohl eine lange Fahrt werden würde - die Straßen in Polen seien schlecht, der Verkehr furchtbar.

Voller guten Dingen ging es dann also Richtung Lithuania ;-). Über Stock und Stein, rauf und runter kamen wir unserem Ziel immer näher - wenn auch nur langsam. Die Hauptstraßen waren in sehr guter Verfassung, vor allem die Autobahnen in Polen müssen den Vergleich mit den österreichischen nicht scheuen.

Der Fahrstil der Osteuropäer ist - naja, wie soll man sagen - etwas "anderes"? Wesentlich risikobereiter, dafür aber rücksichtsvoller. Eigentlich zwei Begriffe, die sich nicht vertragen.
Die Produktion von Verkehrszeichen könnte man sich in Polen und Litauen sparen. Egal ob beschränkt oder nicht, egal ob Stadt oder Land, die Geschwindigkeit bewegt sich fast immer zwischen 80-120 km/h. Überholverbote und Bodenmarkierungen gibt es, werden aber nicht beachtet.
Das Überholen ist sowieso eine eigene Thematik - überholt wird prinzipiell immer und überall. Da passiert es schonmal, dass aus einer zweispurigen Straße eine vierspurige wird, wo man dem Fahrer im Nachbarauto die Hand schütteln könnte...
Trotz des radikalen Fahrstiles scheinen alle aufeinander aufzupassen - im Gegensatz zum mitteleuropäisch üblichen Egoismus. Beim Überholen fahren die langsameren bereitwillig auf die Seite - sogar ins Bankett, um ein vorbeikommen zu ermöglichen. Und sollte es sich einmal nicht ausgehen, weicht auch der Gegenverkehr mal aus.

Landschaftlich ist die Gegend nicht gerade ein Hochgenuss. Endlose Weiten und kleine, teilweise heruntergekommene Ortschaften - hin und wieder aber auch ein kleines Städtchen begegnen einen auf der relativ verkehrsreichen Strecke.

Der Grenzübergang in Litauen wirkt unberührt, ausgestorben. Doch die noch vorhandene Infrastruktur zeugt davon, dass die Zeiten vor dem Schengenabkommen noch nicht lange zurück liegen. Landschaftlich ähnelt sich das Land sehr Polen, die in der Abendsonne goldgelb leuchtenden Weizenfelder und das saftige Grün der noch ungemähten Wiesen ist schön anzusehen.



Auf den Straßen in Litauen werden wir mit unser Navigationssoftware nicht glücklich. Die tolle Aussprache, das umfangreiche Kartenmaterial und die schnelle Berechnung können die zu späten Ansagen nicht wettmachen. Da hilft das beste Navigationssystem nichts, wenn der Fahrer erst 200m vor der Ausfahrt die Info erhält, dass die Straße zu verlassen sei.
So erging es auch Thomas und mir, während des "Verfahrens" und dem damit verbundenen Ärger, wieder auf die richtige Straße zurückzufinden taufte er unser Navi schlichtweg "Laura".

Laura führte uns letztendlich doch noch zu meinem Freund, der uns freundlich empfing und sogleich mit einer köstlichen Pizza seiner Mutter aufwartete. Natürlich besser wie beim Italiener ;-)

Am darauffolgenden Tag stand Sightseeing in Vilnius auf dem Programm: Der TV-Turm, Park, die Altstadt und die vor der Hauptstadt gelegene Burg "Trakej" wurden Opfer unserer neugierigen Blicke. Vom TV Turm aus wirkt die Stadt schlicht und teilweise heruntergekommen, was vor allem an den noch aus der Sowjetunion stammenden Bauten liegt.



Erst in der Innenstadt erschließt sich einem die wahre Schönheit der Stadt: toll restaurierte Gebäude, viel Grün und romantisch-gemütliche Plätze.
Von der Burg aus bietet sich einem ein guter Ausblick über die Stadt.
Direkt in der Stadt gibt es einige Shoppingzentren, welche in anderen mitteleuropäisch üblichen Städten meist nur außerhalb zu finden sind. Ebenfalls ungewohnt, aber keinesfalls schlecht sind die langen Ladenöffnungszeiten. Lebensmittelgeschäfte haben oft bis 23, andere zumindest bis 21 Uhr geöffnet. Praktisch!



Dank etwas später Nachtruhe (und wiedereinmal einem herrlichen Abendessen) kamen wir erst gegen Mittag im Klettergarten an. In der brütenden Hitze konnten sich wohl keine anderen außer uns dreien motivieren, die schweißtreibenden Strecken zu durchwandern. Die ersten drei Tracks waren ja noch ein "Kinderspiel", bei den beiden Abschlussstrecken war dann einiges an Kraft und Geschick gefordert, um das Ende zu erreichen. Dieses wurde dafür mit einem windigen Ritt an einem Flying Fox belohnt.
Die Lage des Parkes ist toll, die Umgebung wirkt dschungelähnlich. Auch die Streckenführung kann sich sehen lassen und es ist von Parkur zu Parkur eine wirkliche Steigerung des Schwierigkeitsgrades merkbar. Die Sicherungsmöglichkeiten auf den Tracks selbst liegen leider hinter europäischen Standards. Die Gurte sind veraltet, Karabiner schließen teilweise nicht mehr korrekt und die Sicherungsseile sind zu tief, sodass sich ein zu großer Sturzweg ergibt. Wen das nicht stört kann im Park sicher einen netten Nachmittag verbringen - Zeitaufwand ca. 3h

Geschafft von den Strapazen war eine kalte Dusche dringend notwendig. Langsam aber sicher begannen die einzelnen Glieder des Körpers wieder die Befehle des Kopfes auszuführen. Nach einer kleinen Stärkung - Ignas machte eine traditionelle kalte Suppe - führte er uns zu einem abgeschiedenen See (30km staubige Schotterstraßen liegen zwischen Ziel und Zivilisation), ein "Familiencampingplatz" sozusagen, wo schon Generationen von Familien Freundschaften geschlossen haben, wie uns sein Bruder erklärte. Tatsächlich wirkte alles sehr familiär, es waren kaum Leute dort, die meisten kannten sich und empfingen uns sehr freundlich. Ignas' Vater zauberte während wir im ca. 28° warmen Moorsee schwimmen waren eine herrliche Süßspeise - kleine Omeletten mit frischem Heidelbeerkompott – mit Honig verfeinert, wieder einmal ein alttraditionelles Essen aus Litauen, wie ich mir erklären ließ. Der Abend endete gemütlich auf der Terrasse mit einem Biertausch: Gösser Naturradler gegen ein regionales, litauisches Bier ;-) ...



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