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Silvester - Back to the roots PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, 03. Januar 2013 um 23:12 | Bereich: Blog | Kategorie: Freizeit

Normalerweise bin ich keiner, der mehrere Wochen auf ein "Event" (und schon gar nicht auf den Jahreswechsel) hin fiebert oder gar arbeitet, aber diese Silvestergeschichte beginnt schon im späten Herbst.

Davon überzeugt, dass wir den ganzen Trubel und Krach nicht brauchen und Silvester lieber ein bisschen abgeschiedener mit Freunden u. Bekannten verbringen wollen, beschließen mein Kollege u. ich auf einer Hütte zu feiern. Die Infrastruktur dort ist recht spärlich, nur über einen steilen Fußweg erreichbar, kein Strom, kein fließend Wasser.

Auf unsere Diskussion hin am Berggipfel in der Jausenstation, wie wir denn das uralte Steinhaus warm bekommen sollten, bot uns der quasi benachbarte Hüttenwirt (von 250m oberhalb ;-) ) seinen alten "Email Austria" Ofen an, der sogleich Richtung Tal und dann zu Fuß zur Hütte gebracht wurde – der Winter war schließlich im Anmarsch. Ca. 75kg waren zu tragen, und ohne der beherzten Unterstützung zweier Studenten, die dafür den Komfort schätzen bei dem katastrophalen Wetter nicht zu Fuß nach Innsbruck gehen zu müssen, wäre der Weg nicht bewältigbar gewesen. So quälten wir uns mit dem auf eine Leiter gebundenen Ofen Kehre für Kehre nach oben. Oben angekommen waren alle nass - allerdings nicht vom Regen.

Die nächsten zwei Monate wurde die Ausstattung (vor allem kulinarisch) sukzessive aufgewertet. Neben 42l Trinkwasser fanden 10l Petroleum incl. 4 Sturmlaternen, ein Schuhkarton voller Kerzen, ca. 40l Getränke, Notessensrationen, Süßigkeiten u. Bäckereien, frisch gewaschene Decken, 40kg Holzbriketts, Ofenrohre u. div. Werkzeug den Weg auf die Hütte. Alles in allem wurden ca. 300kg zu Fuß nach oben gebracht.

Die Brauchwasserversorgung wird mit einer Hochdruckpumpe sichergestellt, welche das Wasser ca. 150m aus einem Hochbassin auf die Hütte pumpt. Dort muss das kostbare Nass in großen Kanistern gelagert werden. Insgesamt stehen max. 400l Wasser zur Verfügung.

Ein paar Wochen später, nach dem vereitelten Weltuntergang, am 31. Dezember… Mit begrenztem Wasser und ohne Strom merkt man erst, wie selbstverständlich solche Ressourcen für uns sind. Trotz der wohligen gemessenen 31° in der Stube (gefühlt waren es 45°) hat es im Erdgeschoss gefroren – da schaut man erstmal, wenn das Wochen zuvor nach oben gepumpte Wasser zu einem nutzlosen 100l Eisklumpen geworden ist. Also das ganze nochmal von vorne. Auf einmal besinnt man sich auf wesentliche Dinge, wie kocht man Rindssuppe, Frittaten und Kaffee auf einer „Herdplatte“, wenn man gleichzeitig Eis schmelzen will, duschen mit fünf Liter Wasser oder mischen der Zutaten mit einem mechanischen Handmixer. Nicht, dass das unmögliche Dinge wären, aber gemessen an dem Alltag ist es sehr „back to the roots“. Alles dauert länger, man muss sich viel intensiver damit beschäftigen, seine Grundbedürfnisse zu befriedigen und seine Freizeit ein bisschen danach richten, wie lange die Glut im Ofen hält.

Das Wetter zu Silvester hätte besser nicht sein können. Das Tal war durch den warmen Fallwind von Dunst und Luftverschmutzung befreit, glasklare Sicht in alle Richtungen, über 100km weit. Von oben sehen die Feuerwerke aus wie ein Blitzlichtgewitter in einem überdimensionalen Stadion aus. Die Explosionen dringen nur sehr leise auf 2100m Höhe durch. Da ein Bild bekanntermaßen mehr als 1000 Worte sagt:

phoca_thumb_l_20121231panorama_silvester_new.jpg

Am Neujahrstag setzte sich der Wind fort, in ungeahntem Ausmaß. Die Fallwinde waren derart stark, dass der Seilbahnbetrieb eingestellt wurde. Für die Freundin mit Glasknochen bedeutete das einen weiteren Tag auf der Hütte, ein Abstieg wäre zu gefährlich gewesen. Tags darauf, nachdem viele die Hütte liebgewonnen hatten, ging es wieder talwärts, diesmal mit der Gondel. Über Nacht flaute der Wind ab, Schneefall setzte ein. Bis zum nächsten Mal...

Euch, liebe Leser(innen) wünsche ich ein gesundes, erfolgreiches und schönes Jahr 2013.

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Aktualisiert ( Donnerstag, 03. Januar 2013 um 23:33 )

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