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Samstag, 01. Januar 2011 um 23:20
Excuse me, do you... ahh, die sprechen ja Deutsch?

Mit Euro bezahlen? Verstanden werden? Kreditkarte? All das war bis vor kurzem eigentlich nicht selbstverständlich - doch Deutschland macht’s möglich. Ganz schön ungewohnt. Aber Internet haben sie keines - zumindest nicht öffentlich. Denn eigentlich wollten wir auf einem Campingplatz übernachten, doch leider war nirgends Internet zu finden, und €2 für die Stunde war uns zu viel (da geht‘s ums Prinzip ;-) ). Lustigerweise gibt’s ja nicht mal beim MC-Donalds in Hamburg freies Internet, wie man es auch in Österreich gewohnt ist.

Also mussten wir wohl oder übel einen Platz in der Stadt zum Schlafen finden - an der alten Alster bot sich eine Seitengasse an - ein paar Schritte von der U-Bahn und drei Stationen vom Hauptbahnhof entfernt - perfekt. Thomas' Freundin verweilte auch in der Stadt und wollte endlich aus erster Hand Infos über unseren teilweise unfreiwilligen Russlandaufenthalt. Immerhin hätte sie ja eine wichtige Rolle gespielt falls wir in Gefangenschaft geraten wären ;-).

Als wir dann in Begleitung dieser Frau waren, die uns mit einem Schwall von Wörtern übergoss, gestaltete sich die Lokalsuche nicht gerade einfach, entweder war das Etablissement etwas misteriös, schmuddelig oder voll. In einem bayrischen Lokal fand sich dann ein plätzchen im Freien, was bei den Temperaturen gerade noch erträglich war. Es kann eigentlich nur am Kellner gelegen haben, dass kaum Gäste im Lokal waren, so mürrisch, wie dieser seinen Dienst verrichtete. Ein Felsbrocken hätte mehr Emotionen gezeigt. Naja egal, das Essen war gut aber nicht überragend und der Preis stimmte. Weil er allerdings nicht auseinanderdividieren wollte, ganz nach dem Motto "gezahlt werden kann nur alles zusammen" gab‘s von mir kein Trinkgeld.

Nachdem Tom's Freundin uns verlassen hatte, nutzten wir die Gunst der späten Stunde um mit der U-Bahn Hamburgs Nachtleben zu erkunde und stiegen - Richtig! in St. Pauli aus. Die Reepabahn ist wohl einer der Fixpunkte jedes Hamburgtouristens. Wie erwartet geht’s dort relativ flüssig zu - oder auch scharf: Mutprobe mal anders - ein jugendlicher wollte seine "Abgebrühtheit" unter Beweis stellen und bestellte eine 11er Currywurst auf der 12 Stufen umfassenden Schärfeskala. Die 12er bekam er nämlich nicht - Ausweispflicht. Doch auch die 11er machte ihm sichtlich zu schaffen, mit hochrotem Kopf lief er um Luft ringend durch die Nacht und versuchte mit Eistee die Schärfe wegzuspülen - ein fataler Fehler. Erst als er einen halben Liter Kakaomilch hinunterkippte, wurde es besser.
Daneben gibt es auch viele Erotikläden - vom Geschäft bis zum Freudenhaus ist alles dabei - St. Pauli eben. Auch an der berühmten ESSO Tankstelle kamen wir vorbei wo mich auch gleich ein Mädchen anquatschte und fragte, ob ich nicht mit ihr ein Stück gehen wolle - ich lehnte dankend ab ;-).





Am nächsten Morgen stand Sightseeing am Programm. Die Reepabahn hatten wir ja bereits hinter uns, doch es gab noch viel zu sehen. Wiedermal am Hauptbahnhof angekommen versuchten wir unser Glück an einem Ticketschalter - und siehe da, die Letzen beiden Karten für die an diesem Tag stattfindende Abendvorstellung von Tarzan in der neuen Flora Hamburg (natürlich teuerste Kategorie - aber was soll‘s) gingen über den Ladentisch - an uns. Hocherfreut über das spontane Glück gingen wir wieder in die Innenstadt, um die Kaufhäuser ein wenig auszukundschaften, sehr zum Leidwesen Thomas' Geldtasche, die knapp €400 lassen musste - aber jeder hat ein anderes Hobby (wenn ich nur daran denke, was der Bus gekostet hat...)

Auch der Hafen ist so ein Fixpunkt jedes Touristen in Hamburg, die €10 für eine Rundfahrt in einem quasi schon historischem Boot mit einem echten Hamburger Kapitän sind sehr gut angelegt, denn dieser ist sehr redselig und plaudert munter über die Geschichte der Hansestadt. Kein Schiff ist ihm unbekannt, und so geht die eine Stunde, die das Schiff über die Elbe, diverse Kanäle und durch die Speicherstadt tuckert, viel zu schnell vorbei. Auf dieser Rundfahrt sichteten wir auch ein U-Boot, welches ehemals den Russen gehörte, in Hamburg dann zu einem Museum umgebaut wurde. Nachdem uns in Russland der Blick auf so ein faszinierendes Schiff (aus unerklärlichen Gründen *g*) verwehrt blieb, wollten wir wenigstens die U-434 besichtigen.
An dem nahezu größtem Boot seiner Klasse wurde nicht viel geändert, lediglich ein nicht originaler Steg führt durch den Rumpf, um den Besucher das Besichtigen zu erleichtern - Die Luken sind allerdings noch die alten, da ist etwas Kletterei, oder professionell, wie damals, viel Schwung erfordern. Es empfiehlt sich, eine Führung mitzumachen, der kleine Aufpreis von €4 ist es Wert, ein Besuch auf der Brücke ist auch inkludiert. Viel zu sagen gibt es dazu ansonsten nicht - Bilder sagen mehr als 1000 Worte...



Nach einer kurzen Auffrischungskur im WoMo stand das Musical "Tarzan" in der neuen Flora Hamburg auf dem Programm. Herrlich, so doch etwas gehobene Veranstaltungen, auch wenn für ein Getränk Apothekerpreise bezahlt werden müssen (€3/0,2L). Die Vorstellung selbst war ein beeindruckender Mix aus Akrobatik, Gesang, Musik und Bühnenbild. Ein Musical eben.
Nach der Vorstellung galt es, die Mägen endlich wieder einmal zu füllen, gar nicht so einfach um 23 Uhr in Hamburg noch ein Restaurant zu finden, welches warme Speisen serviert. An der alten Alster, ca. 30 Gehminuten vom Wohnmobil entfernt wurden wir dann fündig, das "Alex" hatte bis Mitternacht offen. Die Speisekarte hat viel zu annehmbaren Preisen zu bieten. Das Lokal selbst ist recht ordentlich eingerichtet, die Musik könnte ein bisschen leiser sein.

Entlang der alten Alster war das WoMo nach wenigem Verlaufen bald gefunden und nach dem nächtlichen Duschen inmitten der Stadt (wie gut dass wir auf Laub geparkt hatten) kehrte auch im VW LT Ruhe ein.



Wir schrieben den 6. August, Freitag. Seit fast vier Wochen waren wir nun unterwegs und unser Trip näherte sich nach vielen hoch und tiefs schön langsam dem Ende. Nur noch ein Tag in Hamburg, nur noch 800km bis nach Hause, Wahnsinn!
Dieser Tag sollte ein eher relaxter sein, trotz etwas kühlem Wetter (24°C) gingen wir mit Thomas' Freundin baden, sie hatte einen Geheimtipp für den Süden Hamburgs von einem Bekannten bekommen. Tatsächlich liegt der Boberger See malerisch inmitten vom Grünen vor den Toren Hamburgs. Die S-Bahn ist eine gute halbe Stunde bis dorthin unterwegs, danach müssen ca. 2km zu Fuß überwunden werden. Nur wenige Leute gehen dort baden, wer viel Wert auf reines Wasser legt, ist dort auch nicht gut bedient - viel Entenkot schwimmt im Wasser und der Geruch ist auch nicht astrein. Die Liegewiese ist Wüstenähnlich, hie und da ein Grasbüschel, ansonsten gibt’s viel feinen Sand.

Einen Punkt gab es noch, den man als Hamburgbesucher quasi abhacken musste - das Miniaturwelt-Museum. Ein riesen Arial voll mit Städten und Landschaften, von Hobby-Modellbauern aufgebaut. 12000m Gleisanlagen, Schiffe, fahrende Autos, Tag/Nachtszenarien, usw. Für jeden Freund von Modelleisenbahnen ein unbedingtes Muss. Duzende Kontrollmonitore verraten den Status der Anlagen, ein Flughafen-Tower könnte nicht futuristischer anmuten. Die Gleisanlagen sind mit Oberleitungen ausgeführt, Signale wie im echten Zugverkehr regeln das Vorankommen. In einem Raum thront das 6m hohe Matterhorn, weiteres gibt es Szenarien zu Skandinavien, Amerika, Österreich, Deutschland und einer Fantasiestadt. Ein Airport ist gerade im Aufbau.



Thomas und seine Freundin waren von dem Anblick so überwältigt, dass sie nach kurzer Zeit gehen mussten ;-). Ich wollte die fantastische Welt noch etwas länger genießen, so ließ ich sie ziehen und einen Kaffee trinken gehen, auf den ich gut verzichten konnte. Einige Zeit später hatte auch ich mich sattgesehen und wir konnten endlich unseren Heimweg antreten.

Dieser hielt noch einige Überraschungen für uns bereit vor allem Motorruckler in noch nie gekanntem Ausmaß, vermutlich die Schwimmernadel des Vergasers. 200 km vor Österreich konnte ich das Problem provisorisch lösen: Einfach die Zündung unterbrechen, und weitere 100 km ging es wieder gut voran. In den Abenstunden erreichten wir das ein Monat zuvor verlassene Heim. Irgendwie schon komisch, dass wir eigentlich nicht so lange weg waren - doch die Erlebnisse könnten Monate füllen. 10340 Kilometer haben wir zurückgelegt, in zehn Ländern.

Zeit, Danke zu sagen, an alle die unsere Tour unterstütz haben, an alle hilfsbereiten Menschen, die uns in der einen oder anderen Situation aus der Patsche geholfen haben, an alle, die wir getroffen haben und die uns eine tolle Weiterreise gewünscht haben.

Danke!
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